Der Global Peace Index bemüht sich darum, die Friedensverhältnisse der Nationen und Regionen auf der Welt in relativem Maß durch Indikatoren und einem Gremium, bestehend aus Friedensexperten, Friedensinstituten, Expertenkommissionen und dem Zentrum für Frieden und Konfliktstudien der Universität Sydney, in Kooperation mit der britischen Zeitschrift The Economist, zu bewerten.

Erstmals wurde der GPI im Mai 2007 veröffentlicht und bildet damit als erste Studie eine Bemessungsgrundlage für die Friedlichkeit von Ländern auf der ganzen Welt.

Diese Grundlage ist ein wichtiger Faktor zur Bestimmung des Ist-Zustandes und ein Indikator für zukünftige Entwicklungen.

Der GPI 2018 zeigt sehr umfassend ein gemischtes Bild der Vorkommnisse dieser Welt, weshalb eine nähere Betrachtung der Resultate und Schlussfolgerungen der Autoren angebracht erscheint.

Betrachtet man das Ranking aller Länder, stellt man auf den ersten Blick keine großen Überraschungen fest. Laut Autoren, ist Europa die friedfertigste Region der Welt, mit Stolz können wir diesen Titel bereits zehn Jahre in Folge unser Eigen nennen. Doch das war nicht immer so, die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts war von zwei Weltkriegen gezeichnet, Frieden war kaum abzusehen. Auch wenn anschließend der Kalte Krieg wenig Besserung versprach, sind die Anzahl der Konflikte in den letzten 70 Jahren konsistent gefallen und führten zu einer bedeutend friedlicheren Zeit. Es kam zu mehr diplomatischen Übereinkommen und Schluss folglich einen Rutsch, weg von Diktaturen und Regimen, hin zur Demokratie und Freiheit. Ein langer Aufwärtstrend der bis über die Jahrtausendwende anhält.

Doch er fand ein Ende. International markiert das Jahr 2013 einen Wendepunkt des Friedenaufschwungs. Dieser positive Trend in Europa hat sich laut Analysen innerhalb der zwei Folgejahre umgekehrt und ist im Jahr 2016 verstärkt gefallen. Seit drei Jahren ist ein konstanter Abfall des Friedens in zwei von drei Teilaspekten des GPI und in fast ein Dutzend Indikatoren zu vermerken. Die Autoren sprechen von „bedenklichen Entwicklungen“, besonders in bisher friedlichen Teilen der Welt.

Dazu habe ich eine Liste von Resultaten zusammengefasst, die wichtige Stichpunkte nennen:

  •  Zum ersten Mal, seit Bestehen des Index, fällt ein europäisches Land, nämlich Spanien, zehn Plätze im Ranking auf Platz 30, durch die Abspaltung der Katalanen und zunehmender Terrorgefahr.
  •  In Europa haben sich die Zustände für 61% der Länder seit 2008 verschlechtert, kein nordisches Land ist heute friedfertiger als vor 10 Jahren.
  •  „Terrorismus“ und „innere Konflikte“ waren die größten Problemzonen in den letzten zehn Jahren.
  •  Die meisten friedlichen Länder aus Westeuropa haben Teile Ihres Friedens einbüßen müssen, während osteuropäische Länder einen Aufschwung des Friedens erleben.
  • Spanien, UK, Portugal, Dänemark, Schweiz, Frackreich, Italien und Deutschland haben alle einen starken Rückgang im Frieden über das letzte Jahr verzeichnet.
  • Der Rückgang der Gesamtwertung für Schweden und Dänemark, historisch zwei der friedlichsten Nationen der Welt, war Teil des Resultates, schwerer Gewalttaten von kriminellen Banden und speziell des Einsatzes von Granaten bei Angriffen, was einen enormen Anstieg der Kriminalitätsbewertung mit sich zieht.
  • In Europa war die Anzahl der Länder die im Frieden abnahmen, doppelt so groß wie die Zahl der Länder die sich letztes Jahr verbesserten.
  • 62% der Länder sind stärker vom Effekt des Terrorismus im Jahr 2018 als im Jahr 2008 betroffen, lediglich 35% der Länder konnten den Einfluss von Terror deutlich mindern.
  • 57%, faktisch mehr als die Hälfte aller Länder, verschlechterten sich in den Bereichen „Gefängnisrate“, „Waffenexporte“ und „politische Stabilität“.
  • Es gibt einen fühlbaren Abfall von „Akzeptanz der Rechte von anderen“ in zwei der friedlichsten Regionen der Welt, als Produkt aus ansteigenden Klagen zwischen ethnischen und sozialen Bevölkerungsgruppen.

Politik - Deutschland - Frieden - Meinungsfreiheit - Kritik

(Der Einfluss von Terrorismus ist so stark gestiegen, dass die grafische Darstellung kaum Platz findet.)

Der Terrorismus hat die Welt erreicht, selbst friedliche und wirtschaftlich stabile Länder sind mittlerweile betroffen. Hohe Sicherheitsausgaben und verstärkte Inhaftierung senken das Level der Gewalttaten vorrübergehend, zeigen aber keine konkrete Verbesserung im Frieden selbst. International erfuhren 100 Länder terroristische Aktivitäten, wovon nur 38 Besserung zeigten, während die gesamt Zahl der „Tote durch Konflikt“ um 264% zwischen 2006 und 2016 anstieg.

Dabei zeichnet sich ein Trend ab, nämlich von außenpolitischen Konflikten, eher zu innerpolitischen Auseinandersetzungen. Der Indikator „Sicherheit und Schutz“ hat um drei Prozent abgenommen. „Terrorismus“ und „innere Konflikte“ waren die größten Problemzonen in den letzten zehn Jahren.

Politik - Deutschland - Frieden - Meinungsfreiheit - Kritik

Die Abbildung zeigt die Flüchtlingsbewegungen von 1951 bis 2016. Die Zahl der Flüchtigen ist seit 1970 konstant angestiegen, seit der Jahrtausendwende ist ein rasanter Anstieg zu vermelden, der kein Zeichen von Besserung anzeigt. Damit bildeten „Flüchtlinge“ erstmalig ein Prozent der weltweiten Bevölkerung im Jahr 2017, mit einer zwölf Mal so hohen Frequenz als 1951.

68 Millionen Menschen waren 2016 auf der Flucht, das sind 910 Menschen aus 100.000, oder anders gesagt, 1 aus 110 Menschen auf der Erde. Der UNHCR erwähnt, dass 2005 sechs Menschen jede Minute flüchten, 2015 sind es schon 24 Menschen pro Minute. Obwohl der relative Frieden abseits der MENA (Middle East & North Africa) nur geringfügig beeinträchtigt ist, zeigen sich sehr bedenkliche Trends in friedlichen Teilen der Welt.

Im Jahr 2015 beantragten 1.322.825 Menschen in den Ländern der Europäischen Union Asyl. 2016 waren es 1.259.955, in diesen zwei Jahren stieg die Anzahl der Terroropfer in friedlichen Ländern deutlich an, während die Zahl der Toten in Konfliktländern sank. Lediglich ein Land in der EU verbesserte sich deutlich in Friedfertigkeit, während sechs andere im gleichen Zeitraum stark gefallen sind. Es geht abwärts mit der Demokratie.

In einer globalisierten Welt werden die Quellen der Probleme mehrdimensionaler und zunehmend Komplex, auch über Grenzen hinweg. Aus diesem Grund sind Lösungswege gefragt die ganz neue Arten des Denkens erfordern.

Ohne die Basis des Friedens wird es nicht möglich sein eine gemeinsame Vertrauensgrundlage für Zusammenarbeit und Zusammenhalt zu schaffen oder Reserven für Internationale Institutionen und Organisationen bereit zu stellen. Damit ist Frieden eine Notwendigkeit für unser Fortbestehen, wie wir es kennen.

Ein ambitionierteres Verständnis von Frieden ist der positive Frieden. Gut ausgearbeitete Konzepte des positiven Friedens repräsentieren die Fähigkeit, den Bedürfnissen der eigenen Bevölkerung gerecht zu werden, Missstände zu reduzieren und gesellschaftlichen Diskurs ohne den Einsatz von Gewalt auszutragen.

Dieser positive Frieden lässt sich in acht Säulen gliedern:

  1. Gut funktionierende Regierung
  2. Freier Informationsfluss
  3. Akzeptanz der Rechte von Anderen
  4. Geringe Korruption
  5. Gutes Verhältnis zu Nachbarschaftsländern
  6. Gerechte Verteilung von Ressourcen
  7. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  8. hohes Humankapital

Dieses Geflecht ist unser Grundbaustein für eine sichere Zukunft. Korruption, Akzeptanz anderer und eine gut funktionierende Regierung sind die Hauptsäulen, die vor allen anderen abnehmen, bevor sich stärkere Rückgänge in allen Aspekten zeigen. Diese und ein freier Informationsfluss sind die wichtigsten Indikatoren für eine stabile Zukunft.

Wer selbst gern einen Blick auf den Index machen möchte, für den steht ein kostenloser Download auf der Homepage von Visions of Humanity zu Verfügung.

 

BM

Global Peace Index 2018 – Ein blick auf Europa und die Welt
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