Wisst Ihr noch früher? Den ganzen Sommer durch gibt es nicht eine interessante Nachricht in der Gaming-Welt, bis die E3 die Tore öffnet. Mit einem Rutsch, fliegen uns dutzende Trailer, Gameplayreveals und Multiplayerfootage von bisher unangekündigten Spielen um die Ohren. Heute sieht es anders aus. Statt die Spiele auf der E3 anzukündigen, nutzen die Entwickler und Publisher die Plattform als Fläche um den Hype anzukurbeln, die meisten Spiele sind samt Revealtrailer im Vorfeld bekannt, was noch nicht zusehen war? Gameplay.

Mittlerweile hat sich ein Spannungsbogen in der Branche etabliert, der starke Vorbestellerzahlen  verspricht. Auf einer Social Media-Plattform, wie Facebook oder Twitter, wird ein Bild zu einem neuen Spiel präsentiert, meist mit nur sehr begrenzten Informationen. Dieses Bild führt zu einem wenige Sekunden dauernden Teaser, der einen Revealtrailer ankündigt. Diese Revealtrailer zeigen meistens keine echten Gameplayszenen sondern lediglich Skriptsequenzen, um „polished“ zu wirken und den Zuschauern ein intensives Gefühl zu vermitteln. Mit der Veröffentlichung des Trailers wird gleichzeitig die Vorbestellungsmöglichkeit eröffnet. Warum erlauben Spieleentwickler, dass man, bevor man auch nur einen Blick auf spielbare Inhalte wirft, diese Spiele vorbestellen kann? Und warum sollte man selbst ein Spiel vorbestellen, über das man keine Informationen hat?

Hierzu müssen wir in der Zeit etwas zurückschauen:

Vorbestellungen waren schon immer Teil der Branche. Bevor es möglich war Spiele durch den reinen Schlüssel zu kaufen, waren die Hersteller noch auf physische Träger (CDs und Steckmodulen) angewiesen, samt DVD-Hülle und eines auf Papier gedruckten Schlüssels. Diese Packung musste man sich entweder im nächstgelegenen Media Markt kaufen oder eben online bestellen. Da die Spiele Hersteller aber nicht wussten, wie viele Kopien wirklich benötigt werden, lies man die Kundschaft das Spiel vorbestellen und konnte sich anhand der Zahlen orientieren, um etwaige Über- oder Unterproduktionen zu vermeiden. Zusätzlich gab es für den Kunden den Vorteil, dass man nicht bangen musste, in absehbarer Zeit eine Kopie zu bekommen, falls das Spiel einen riesen Andrang findet.

Heute ist alles anders, heute reicht es aus einen Lizenz Schlüssel zu kaufen, auf einer Plattform wie Steam oder Battle.net oder man wendet sich an Drittanbieter. Die Gefahr keine Kopie des Spiels mehr zu erhalten geht somit gegen null. Wenn der Wunsch noch da ist, einen physischen Träger zu haben, um die Sammlung im Wohnzimmer zu erweitern, ist das ohne Probleme möglich, digital aber, gibt es einen annähernd unendlichen Vorrat an Kopien, der innerhalb weniger Sekunden im Email Postfach liegt.

Es gibt also keinen Anreiz mehr für Kunden sich ein Spiel vorzubestellen

Spielehersteller haben das erkannt und haben aus der Not heraus besondere Editionen, mit Teils saftigen Aufschlägen und kleinen Goodys herausgebracht, die als „Ultimate Edition“ oder „Limited Edition“ bekannt sind, um erneut eine Daseinsberechtigung für Vorbesteller zu schaffen. Die reine Existenz dieser „Preorder-Packs“ ist heute gewiss nicht abzuerkennen. Große AAA-Titel müssen sich von der Konkurrenz absetzen und das Nutzen solcher Pakete erlaubt eben einen kompetitiven Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Was spricht schon gegen eine Assasins-Creed-Actionfigur, die an die großartigen Abenteuer erinnert, welche man in dieser Welt erlebt hat? Wenn es um die Inhalte gehen würde, wäre alles gut. Aber der Trend, Spiele vorzubestellen bevor man Gelegenheit hat Gameplay-Szenen zu sehen, ist ein Schritt zu weit.

Nehmen wir als Beispiel EA:

Das vor kurzem bekannt gegebene Spiel „Battlefield V“ war, in der Deluxe- und Normal Edition kaufbar obwohl ein Revealtrailer gezeigt wurde, der keine echten Gameplay-Szenen beinhaltet hat. Es ist fahrlässig 60€ für ein Spiel auszugeben von dem wir nichts wissen, möglicherweise sind die Anforderungen an mein System so hoch, das meine Hardware nicht ausreicht, eventuell sind viele Server Cheater verseucht oder das Spiel kommt in einem katastrophalen Zustand auf den Markt und es ist nicht einmal spielbar nach Erscheinen.

Ja, es liegt in unserer Verantwortung, bewusst mit unserem Geld umzugehen und jeder hat die Freiheit seine Geldausgaben nach eigenem Belieben zu gestalten. Diese Trailer aber, sind so konzipiert, dass sie an unsere Instinkte, Vorfreude und Vorstellungskraft appellieren. Wir erstellen in unserem Kopf ein Bild von diesem Spiel, das so möglichweise niemals existieren wird, aber es ist ein nützlicher Katalysator, damit wir Spiele kaufen, die nicht der Realität entsprechen.

Deshalb gibt es bei Release großer Titel oft Skandale und Rückzahlungen, da die Menschen andere Vorstellungen haben und sie sich eventuell mehr für ihr Geld wünschten. Spart euch den Ärger 60€ aus dem Fenster geworfen zu haben, seht euch das Spiel in Ruhe nach Erscheinen an und überlegt, ob es das Geld wert ist.

 

BM

Spiele vorbestellen ist ein großes Problem
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